Jahrgang 1947
Bad Buchau
mit Schulkameradinnen und Schulkameraden
Adelindisfest
vom 17.04.2020 Wird das Buchauer Stadtjubiläum um ein Jahr verschoben? Bericht von Annette Grüninger 2020 hätte in Bad Buchau das Jahr des Stadtjubiläums werden. Stattdessen wird man dieses Jahr vor allem mit der Corona-Krise in Verbindung bringen. Am Mittwoch ist nun die Entscheidung gefallen: Großveranstaltungen werden diesen Sommer nicht drin sein. Was bedeutet das für das Buchauer Adelindisfest? Und wie geht es mit der 1250- Jahr-Feier weiter? SZ-Redakteurin Annette Grüninger hat Bürgermeister Peter Diesch dazu befragt. SZ: Herr Diesch, Bund und Länder haben sich am Mittwoch darauf geeinigt, Großveranstaltungen wegen der Corona-Pandemie bis 31. August grundsätzlich zu untersagen. Wie haben Sie auf diese Nachricht reagiert? Diesch: Zugegebenermaßen mit gemischten Gefühlen. Einerseits natürlich traurig – andererseits so etwas wie erleichtert, weil wir nun Klarheit haben und uns dadurch regierungsseits eine schwere Entscheidung abgenommen wurde. Ich habe sofort per WhatsApp mit den Vorstandsmitgliedern des Adelindisfest-Vereins und mit dem Orga- Team des Apostelprojekts Kontakt aufgenommen und sie über die Entscheidung informiert. SZ: War die Entscheidung für Sie absehbar? Diesch: Im Grunde ja. Wir haben uns mental bereits seit Wochen auf diesen Moment vorbereitet und uns Gedanken für den „Fall der Fälle“ gemacht und auch die anstehenden Vorbereitungsarbeiten sofern möglich einstweilen auf Eis gelegt. Und wir hatten uns ohnehin vorgenommen, spätestens in der Woche nach den Osterferien unsererseits eine Entscheidung treffen zu wollen, die wohl ähnlich ausgefallen wäre – so schwer es uns auch gefallen wäre. SZ: Was bedeutet das nun für das Adelindisfest? Diesch: Damit ist klar, dass wir das Adelindisfest 2020 wohl nicht durchführen können. Seit einigen Tagen war uns darüber hinaus bereits bekannt, dass es einen Erlass des Kultusministeriums gibt, der allen Schulen im Land die Teilnahme an sämtlichen außerunterrichtlichen Veranstaltungen untersagt. Und ohne Kinder könnte es kein Kinderfest geben... somit war uns allen klar, wohin die Reise geht... Und angesichts dessen, was derzeit rund um uns herum geschieht, wäre so oder so wohl kein unbeschwertes Fest mehr möglich gewesen. SZ: Wie sieht es mit dem Stadtjubiläum aus? Können einzelne Programmpunkte dennoch stattfinden? Oder steht damit die ganze 1250-Jahr-Feier auf der Kippe? Diesch: Das Adelindisfest ist natürlich einer der zentralen Punkte im Jubiläumsprogramm – übrigens genauso wie das Freilichtspiel „Der Apostel von Buchau“, das nach dem Stand der Dinge damit wohl ebenfalls nicht stattfinden kann. Insofern werden wir uns in Verwaltung, Gemeinderat und den Organisationsteams intensiv darüber Gedanken machen müssen, ob wir nicht das gesamte Jubiläumsprogramm kippen und auf 2021 verschieben. Was aus meiner aktuellen Sicht durchaus Sinn machen würde – aber ich habe das nicht alleine zu entscheiden. Der Wille und die Motivation aller Akteure sind jedenfalls nach wie vor da – nur dürfte es schwierig werden, einen Termin zu finden. Wir sind ja schließlich nicht die einzigen, die auf 2021 hoffen... SZ: Dem Stadtjubiläum gingen umfangreiche Vorbereitungen voraus. Können Sie die finanziellen Folgen für die Stadt schon einschätzen, die sich aus der Absage von Veranstaltungen ergeben? Diesch: Ja das stimmt natürlich schon, wir sind da teilweise schon in Vorleistung gegangen. Aber einen Überblick über die finanziellen Folgen konnte ich mir noch nicht verschaffen, das hängt natürlich auch davon ab, inwiefern wir mit unseren Partnern entsprechende Vereinbarungen für 2021 treffen können oder auch nicht. Vertragsrechtlich dürfte uns entgegenkommen, dass die Veranstaltungen uns nun „von oben“ untersagt werden – und wir damit nicht für die Absage verantwortlich sind. Aber egal wie – wir müssen auf alle Fälle mit einem fünfstelligen Verlust rechnen. SZ: Neben der finanziellen Seite kommt natürlich die emotionale noch dazu. Viele Bürger haben sich auf die Feste, die Theateraufführung und die vielen weiteren Veranstaltungen im Jubiläumsjahr gefreut, Ehrenamtliche über Monate darauf vorbereitet. Was können Sie ihnen mitgeben? Diesch: Ja, da haben Sie absolut recht. Aber wie ich Ihnen schon angedeutet habe, stehen alle Akteure nach wie vor mit voller Motivation zu den Projekten – wir haben da schon eine tolle Truppe bei uns in Bad Buchau. Und darauf bin ich als Bürgermeister sehr, sehr stolz. Wir verschieben auf 2021 und feiern dann eben nächstes Jahr. Vielleicht dann noch bewusster, noch motivierter, noch dankbarer – und hoffentlich alle gesund und munter!
Völlig undenkbar war es bislang wohl auch, das Adelindis-Kinder- und Heimatfest ausfallen zu lassen. Doch die Corona-Verordnung untersagt Großveranstaltungen, weshalb die Höhepunkte unter den Veranstaltungen des 1250-Jahre-Stadtjubiläums nicht länger in Frage kommen (SZ berichtete). Für das Adelindisfest regte Diesch an, das nächste Jahr, konkret den 2. bis 5. Juli 2021, in den Blick zu nehmen; eine Verschiebung wäre wohl auch für das Stadtjubiläum insgesamt sinnvoll, stellte Diesch zur Diskussion. Beide Vorschläge fanden im Gemeinderat Anklang. Stefan Feurle erkundigte sich, ob dieser neue Rhythmus für das Adelindisfest beibehalten werden könne, was Diesch als „dankbare Option“ bezeichnete, um künftig eine Überschneidung mit den Fußball-Welt- und - Europa-Meisterschaften zu vermeiden. Bisher fand das Fest traditionell in den geraden Jahren statt. Das komplette Stadtjubiläum zu verschieben, könnte laut Feurle „ein lustiger Gag“ sein, eine „1251-Jahr-Feier“. Tatsächlich stecke in einem solchen Gag auch ein Fünkchen Wahrheit, so Diesch: „In den Urkunden zur Stadtgründung steht nicht ,in’, sondern ,um das Jahr 750’.“ Sowohl Stefan Konrad als auch Marc Rothenhäusler sprachen sich dafür aus, sämtliche Veranstaltungen des Jubiläums aufs nächste Jahr zu verschieben.
vom 01.05.2020 Auszug aus Gemeinderatssitzung vom 27.04.2020 Bericht von Annette Grüninger